Artikel mit den Tags "Schulkleidung"

Unsere Zusammenarbeit mit der Behindertenhilfe Wetteraukreis

Mittwoch, 1. April 2009

Am Freitag besuchten meinen Kolleginnen Jessica, Julia und ich die Wetterauer Werkstätten der Behindertenhilfe in Ockstadt, um uns die Arbeitsschritte einer Logobestickung auf unserer Schulkleidung anzusehen.

Für das hessnatur Schulkleidungsprojekt unterstützt uns die Behindertenwerkstatt in Ockstadt mit der individuellen Bestickung von Logos auf der Schulkleidung. Die Schulen entwerfen hierfür ihr eigenes Logo, in Form eines Bildes oder eines Schriftzuges, welches dann von der Behindertenhilfe auf die Kleidung gestickt wird.

In der Behindertenhilfe in Ockstadt sind ca. 200 Menschen mit Behinderungen in den unterschiedlichsten Geschäftsfeldern beschäftigt. Je nach der persönlichen Neigung und Fähigkeit sind sie unter anderem in den folgenden Arbeitsbereichen tätig: Verpackungsservice, Mediendesign, Garten- und Landschaftspflege oder dem Logo-Fix Studio, in dem unsere Schulkleidung bestickt wird.

Zu Beginn wurden wir von Herrn Engel, dem Produktionsleiter in den Wetterauer Werkstätten, freundlich empfangen und bei Plätzchen und Kaffee mit Informationen rund um die gemeinnützige Einrichtung versorgt. Ein gemeinsamer Rundgang führte uns durch verschiedene Werkstattbereiche bis hin zu dem Arbeitsraum, in dem die textile Veredelung stattfindet und die Mitarbeiter des Schulkleidungsprojekts arbeiten.
 
Das geschäftige Treiben dort verriet uns, dass hier schon kräftig an der Schulkleidung gearbeitet wird. Allein 10 Mitarbeiter sind im Logo-Fix-Studio beschäftigt und werden durch weitere vier Betreuungspersonen unterstützt.

Bevor jedoch überhaupt mit der eigentlichen Bestickung begonnen werden kann, sind verschiedene Vorarbeiten mit dem Computer durchzuführen, die dann auf die hochmodernen Stickmaschinen übertragen werden, wie z.B. die Anpassung der Logo-Größe, Zuordnung der Garnfarben etc. Begleitet von dem feinen Schnurren der Nähnadel erhält das Logo dann seine finale Position. 

Trotz des technischen Standards ist die professionelle menschliche Arbeitskraft einfach nicht wegzudenken. Die Wunschpositionen des Logos, die vom Schüler vorher ausgesucht wurden, müssen dabei präzise und individuell vermessen und anschließend in die Stickrahmen gespannt werden.

Auch die Arbeit von Peter Winkler, einnem Mitarbeiter (hier auf dem Bild zu sehen), trägt zur schnellen Bearbeitung der Schulkollektion bei. Er sorgt zum Beispiel für die Zuordnung der hessnatur Banderole am Kleidungsstück. Heidrun Krohm hingegen ist für die Säuberung des Logos von Vliesresten und die abschließende Verpackung zuständig.

Der Besuch in der Behindertenhilfe Ockstadt hat uns einen tollen Einblick in den dortigen Arbeitsalltag gegeben, der einer der wichtigsten Bausteine des Schulkleidungsprojektes ist. Vielen Dank.

Schulkleidung - Pioniere aus Thüringen

Montag, 2. März 2009

In meinem ersten Beitrag über unser Engagement für eine verbindende Schulkleidung an deutschen Schulen habe ich versucht zu erklären, was hessnatur hier tut, warum wir es tun.

Nun möchte ich etwas konkreter werden und wie versprochen die erste Schule vorstellen, die sich schon Ende 2007 für eine gesunde und faire Schulkleidung entschieden hat: die Bergschule St.Elisabeth im Heilbad Heiligenstadt. Die christliche Schule aus dem Eichsfeld (wunderschönstes Thüringen!) hat uns von Anfang an tatkräftig unterstützt. Wir haben uns besucht und beraten, Optionen und Restriktionen zusammen getragen, Schüler- Workshops organisiert und abends mit dem schulischen Projektteam weiter diskutiert. Nur so konnte die aktuelle hessnatur Schulkleidungs-Kollektion aus 15 Artikeln in 8 verschiedenen Farben entstehen.

Ein großer Lacher war übrigens meine unbedachte Formulierung beim ersten Besuch in der Schule. Ich wollte meiner Begeisterung mal so richtig Nachdruck verleihen und lobte die Schüler und Lehrer als absolute “Pioniere” im Projekt. Diese Bezeichnung weckte allerdings eher großes Schmunzeln aufgrund eindeutiger Assoziationen mit Ernst Thälmann, anstatt meinen Enthusiasmus zu unterstreichen. Naja, verstanden haben wir und trotzdem von Anfang an…

Gerade im Vergleich mit anderen Schulen wurde mir hier auch zum ersten Mal klar, warum genau hier gesellschaftlicher Wandel Wirklichkeit werden kann, und warum man sich anderenorts manchmal schwer tut: Wo Lehrer und Eltern eng und offen zusammen arbeiten, wo Schüler von Beginn an mit eingebunden werden, da hat die Vision einer gemeinschaftlichen Kleidung den richtigen Nährboden. In Schulen dagegen, die ausschließlich auf die Unterstützung und das Tun von hessnatur warten, gerät die Entwicklung und Überzeugungsarbeit immer wieder ins Stocken.

Noch immer meldet sich die Projektleiterin Ulrike Plath regelmäßig bei uns und berichtet uns über neue Entwicklungen und Ideen zur Schulkleidung – eine wertvolle Verbindung, um gemeinsam zu wachsen und zu lernen! Auf der Homepage der Schule finden Interessierte auch Erfahrungsberichte, die einen lebendigen Einblick in Sachen Schulkleidung geben.

Und so ganz nebenbei hat die “Europaschule” & “Schule ohne Rassismus” gerade die vierte Zertifizierung erreicht: Das anspruchsvolle Qualitätszertifikat EFQM. Herzlichen Glückwunsch! hessnatur ist wirklich stolz, mit solchen vorbildlichen Schulgemeinschaften zusammen zu arbeiten.

Demnächst noch mehr über unsere tollen Schulen: Die Bugenhagenschulen Hamburg, die Schrenzerschule Butzbach, Die IGS Kandel, die Wilhelm-Raabe-Schule Hannover, die Freie Waldorfschule Buxtehude, und viele mehr!

Individualität kontra Gemeinschaftsbildung

Montag, 19. Januar 2009

„Wo ist denn bloß mein St.Pauli-Sweatshirt?“, ruft meine 14-jährige Tochter genervt aus ihrem Zimmer. Montag morgen, 6.30 Uhr, und sie findet mal wieder nichts zum Anziehen.

Die Zeit ist schon lange vorbei, in der ich ihr am Abend vorher noch die Klamotten für den nächsten Tag rauslegen konnte – und sie diese unkommentiert angezogen hat. Nein, heute läuft da ein ganz anderer Film ab: Wie präsentiere ich mich in meiner „Gang“? Sind meine Turnschuhe überhaupt noch cool genug? Und passt das T-Shirt von unserer letzten Shopping-Tour überhaupt zur blauen xy-Jeans?

An diesen oder anderen Fragen dürften zahllose Familiendiskussionen am und vor dem Frühstück entbrennen.  Das Leidige an dem Thema aber ist für uns „außenstehende“ Mütter: Je nachdem, wie der erste Moment mit den Freundinnen und Klassenkameraden am Morgen verläuft, so verläuft dann der restliche Tag. Die hormonelle Umstellung der pubertären 14-jährigen tut ihr Übriges zu den Stimmungsschwankungen, denen sie besonders durch das Bedürfnis nach äußerer Wirkung stark unterlegen sind.

Sich selbst wahrnehmen und definieren, sich abgrenzen und gleichzeitig dazugehören, das sind die Spannungsfelder, in denen die Jugendlichen stehen. Gefüttert und genährt wird dieses Selbsterleben durch die Medien. „Germany´s next Top Model”, Soaps und Co. suggerieren, dass jeder und jede populär werden kann. Da wird vor dem Spiegel geübt, es wird nachgeahmt, kopiert und nach Idolen Ausschau gehalten. Das eigene Ich, die eigene Persönlichkeit wird gar nicht wertgeschätzt, sondern an von außen vorgegebenen Maßstäben gemessen.
Für mich als Mutter ist Schulkleidung da wirklich eine Lösung. Die Kids werden durch die gemeinsame Kleidung befreit vom Diktat der Mode- und Medienwelt, denn die Schulgemeinschaft beschließt, was getragen werden soll. Und das ist gar nicht mehr so unbequem und Uniformen ähnlich wie man das von früher kennt. In modernen, bequemen, ökologisch und sozial fair hergestellten Sweatshirts und T-Shirts kann sich jede/r Jugendliche wohl fühlen. Mit gutem Gewissen und gut zur Haut. Es ist sicher nicht einfach, Jugendliche davon zu überzeugen, dass es eine Erleichterung sein kann, sich morgens keine Gedanken machen zu müssen, was sie anziehen. Und die Themen in der Gruppe werden sich auch wandeln.

Es geht nicht mehr um neueste Modefarben oder den letzten Schrei aus der letzten TV-Serie, den sie jetzt selbst am Körper tragen. Persönlichkeit und Eigenständigkeit können so wieder an Wert gewinnen, die Pausengespräche erhalten eine andere Qualität. Schulen, die damit schon Erfahrungen gesammelt haben, erkannten, dass der Zusammenhalt größer, die Ausgrenzung Einzelner geringer wurde. Für die Entwicklung zu einem verantwortungsbewussten jungen Erwachsenen ist das sicher ein wichtiger Schritt. So kommt – aus der Nähe betrachtet – die Individualität trotz oder durch die Gemeinschaftsbildung nicht zu kurz. Im Gegenteil.

In einem Elternabend im Herbst, in der 9. Klasse Realschule, entbrannte dann also die Diskussion über genau dieses Thema.  Die Schule meiner Tochter hat tatsächlich vor, die Schulkleidung von hessnatur auf freiwilliger Basis einzuführen und sammelte über die Elternabende jetzt Stimmen dazu.

Sehr kontrovers und Zeit einnehmend befanden Mütter und wenige Väter es als sehr schwierig, ihren Sprösslingen solche Auflagen zu machen. Das wäre was für die Grundschulen, da könne man so was machen. Ich lag also gar nicht so richtig mit meiner Euphorie für die gesunde Einheitskleidung. Schade, dachte ich bei mir, aber ein Gutes hatte es doch: Wenn wir Eltern den halben Elternabend hitzig über gemeinsame oder individuelle Kleidung und deren Auswirkung sprechen konnten, dann fanden diese Gespräche und Gedankengänge in irgendeiner Weise auch bei den Jugendlichen statt.

Und das ist meine Hoffnung für diese gute Sache: Allein schon der Impuls, sich über das äußere Erscheinungsbild – Individualität oder Gemeinschaft –   Gedanken zu machen und andere Meinungen der Freunde und Kameraden zu hören, wird auf jeden Fall etwas in Bewegung setzen. Und dass es gesunde Kleidung gibt, dürfte so auch dem einen oder anderen, der darauf noch keinen Wert gelegt hat, jetzt ein Begriff geworden sein.

hessnatur Schulkleidung – mehr als ein Projekt

Dienstag, 16. Dezember 2008

Seit mehr als zwei Jahren nun beschäftigen wir uns bei hessnatur mit dem Thema Schulkleidung. Als Verantwortlicher bin ich schon ordentlich durch Republik gereist, habe mit Schülern, Eltern und Lehrern diskutiert. Gemeinsam haben wir eine Kollektion entwickelt, in der Hoffnung, dass viele deutsche Schulen daraus ihre individuelle Arbeitskleidung machen.

Ebenfalls haben wir einen Prozess entwickelt, wie wir die Kleidung bestellen, herstellen und individuell besticken, und gleichzeitig hohe Qualität und attraktive Preise erreichen. Aber dazu mehr in den nächsten Wochen.

Es geht hessnatur also nicht nur darum, ein besonders lukratives Geschäftsfeld zu erschließen. Im Gegenteil: Wir möchten mit unserem Engagement Gemeinschaft lebendig machen, zum Nachdenken anregen und unsere Werte und Überzeugungen ganz greifbar in die Tat umsetzen.

Wie Sie vielleicht ahnen, gibt es also noch viel zu berichten und zu diskutieren. Auch möchte ich Ihnen in den nächsten Wochen die ersten Schulen unseres Projekts genauer vorstellen, Ihre Meinungen zum Thema hören und Ideen sammeln, wie wir noch mehr Gemeinschaft bei Kindern fördern können.

Ein wichtiger Teil sind die Themenabende und Diskussionen zum Thema Schulkleidung, die wir gemeinsam mit den Projektschulen organisieren. Jedes Mal ergeben sich spannende und bereichernde Momente. Momente, die mir sehr wichtig sind, denn es geht immer um Entscheidungen, die unbedingt in Gemeinschaft gefällt werden müssen.

Im Grunde verdichtet es sich auf zwei zentrale Aspekte:
· Ist es nicht Gleichmacherei? Geht es hier um Uniformen?
· Kostet eine Extra-Kleidung für die Schulzeit nicht zu viel Geld?

Vor Ort schaffen wir oft Klarheit mit einer bunten und fröhlichen Schülermodenschau, und wenn wir die aktuellen Preise von Markenkleidung zur Diskussion stellen. Aber was meinen Sie? Ist Schulkleidung rückwärts- oder vorwärtsgewandt?

Ich bin gespannt auf Ihre Meinung!