Archiv für die Kategorie "Produktion"

Die Zukunft ist das Meer

Freitag, 12. Juni 2009

Eine Vision ist ein Bild, das wir uns von unserer Zukunft machen, für die wir uns begeistern und andere begeistern können. Es bringt Klarheit und Richtung in das Handeln und Denken. Von einer Vision begeistert zu sein ist wohl eines der ältesten, natürlichsten und grundsätzlichsten Prinzipien, mit denen Menschen sich selbst und andere begeistern und Veränderungen herbeiführen.“ So gelesen unter blueprint.de.

Kürzlich las ich im Journal für Frankfurt die Vision von Matthias Horx vom Zukunftsinstitut, die er sich über die Entwicklung Frankfurts macht. Genial, dachte ich: Schrankenfrei, konventions-, gesetzes- und reglementierungsfrei hat er eine Großregion mit ihrem kreativen, pulsierenden Potential zu einer neuen Einheit formiert. Ebenso abstrakt und schrankenfrei müsste man dieses Bild von einer über die regionale Begrenztheit jetztiger Denk- und Handlungsmuster hinausgehenden Zukunftsidee auch für die Textilbranche anlegen können.

Die Vision, die einst Heinz Hess antrieb, hessnatur zu gründen, ließ ja damals noch gar nicht ahnen, wohin ihn sein eigenes Sehnen und Drängen einmal führen würde. Was, wenn hessnatur-Richtlinien, so streng sie sind, so fundiert, dass sie Grundlage für IVN und Co. werden und geworden sind – ja, was, wenn hessnatur Maßstab für die Fertigung von Textilien generell werden würde? Weltweit, branchenweit? Die Vordenkerrolle wird zur Massenbewegung, weil sie das Zeug dazu hat und der Druck der Konsumenten, Kunden und KäuferInnen immer stärker und prägnanter wird. Genial. Diese Denke würde die ganze Produktionskette verändern, würde unsere Projektarbeit in Burkina Faso, Nepal oder Bangladesch zur Selbstverständlichkeit werden lassen. Dann behielte Saint-Exupèry recht mit seinem Zitat: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, die Holz beschaffen, Werkzeuge vorbereiten, Holz bearbeiten und zusammenfügen – sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, unendlichen Meer.“

Es ist die Sehnsucht nach Giftfreiheit, nach dem Erhalt unserer Umwelt, nach einer intakten Natur, in der Kinder gesund aufwachsen können, in der Artenvielfalt und nicht Artensterben auf der Tageordnung stehen. In der Genmanipulation nicht mal ein Fremdwort ist. Das ist das Meer, nach dem wir streben.

Bis dahin halte ich mich an den Satz von Viktor Hugo, der mir tatsächlich greifbar nahe scheint: „Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“

Ein Tag gegen Kinderarbeit - CARPE DIEM

Mittwoch, 10. Juni 2009

Warum eigentlich muss es einen Tag wie den 12. Juni geben? Einen Tag, der sich gegen Kinderarbeit ausspricht. Die UNICEF hat weltweit dazu aufgerufen und begeht den Tag bereits heute bundesweit mit Aktionen, auch für Kinder, in mehr als 80 Städten.

Es ist wirklich kaum vorstellbar: „Weltweit müssen rund 158 Millionen Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren arbeiten. Viele von ihnen schuften unter gesundheitsschädlichen Bedingungen – in Fabriken, in Steinbrüchen und in Baumwollplantagen“, so UNICEF. Dass das Thema inzwischen eine große Öffentlichkeit bewegt, zeigen die populären Namen: Am Brandenburger Tor in Berlin demonstrieren heute Schauspielerin Cosma Shiva Hagen und Top-Model Eva Padberg mit gegen die Ausbeutung der Kleinsten in der Gesellschaft.

Dass es in den Zulieferstätten von hessnatur keine Kinderarbeit gibt, dafür stehen wir mit unserem Namen. design for life, das steht eben nicht nur für ein tolles Produkt, sondern auch für die Verantwortung, die wir von Anfang an übernehmen. Damit sollten wir keine Sonderrolle spielen und es sollte kein Wort wert sein. Ist es aber in Zeiten, in denen kleine Preise die Kaufentscheidungen anführen.

Ein Tag also, der uns alle angeht. Die, die eigene Kinder haben und alles dafür tun, ihnen ein gesundes und geborgenes Heranwachsen zu ermöglichen. Dass es Kinder gibt, die dieses Recht auf Kindheit nicht haben. Und dieser Tag geht diejenigen an, die Entscheidungen treffen. Was sie wo zu welchen Preisen produzieren lassen. Und diejenigen, die kaufen.

Es könnte ein Tag des Nachdenkens sein, aber auch einer des Wünschens. Fragen Sie doch mal die Kinder, die in den vielen verschiedenen Mitmachaktionen Kinderarbeit nachstellen. Was würden sie sich wünschen für Gleichaltrige auf der anderen Seite der Erdkugel? Ich würde mir vor allem wünschen, dass wir weniger wegschauen. Auch hierzulande, wo Not und Armut unter Kindern zunehmen. Es reicht oft, einfach wachsam zu sein und den Kindern in die Augen zu schauen. Leid wird sichtbar, wenn wir es sehen wollen. Und wenn wir etwas dagegen tun wollen. Carpe diem.

Warum ist Naturmode teurer?

Donnerstag, 28. Mai 2009

Die letzten Wochen habe ich mich intensiv mit dem Screening von US-amerikanischen Blogs und den Inhalten beschäftigt, die für die Menschen in den Staaten eine Relevanz besitzen. Hierbei bin ich auf einen interessanten Beitrag gestoßen, mit dessen Inhalten wir uns hier in unserem Heimatmarkt auch schon oft beschäftigt haben. „Warum ist Naturmode teurer?“

Leider scheint es nämlich so zu sein, dass die Verbraucher noch nicht genügend aufgeklärt sind, denn wie oft werde ich noch mit der Aussage konfrontiert „Die Kleidung von hessnatur ist ja wirklich schön, doch leider nicht zu bezahlen!“. Ein Vorurteil, welches der Beitrag auf treehugger.com aufgreift und in vier Punkten, auf eine einfache Art und Weise, erklärt:

1. Zeit und Aufwand kostet Geld
Gerade am Beispiel von Baumwolle sehr gut zu erklären. Die Ernte von Bio-Baumwolle ist zeitintensiver, da sie ohne chemische Hilfsmittel auskommt und somit ressourcen-schonend als auch giftfrei ist.

2. Fair ist Fair
Viele Einsparung werden heute über die Wertschöpfungskette vorgenommen und gehen häufig zu Lasten der Arbeitnehmer in den Fabriken. Für sozial-gerechte Arbeitsbedingungen sowie eine existenzsichernde Entlohnung bedarf es eines höheren Invest.

3. Groß vs. Klein
Auch wenn der Anteil von Naturtextilien am Gesamtmarkt stetig wächst, macht er immer noch nur einen sehr kleinen Teil der Gesamt-Verbraucherausgaben aus. So sind die Kosten für die Verarbeitung sowie für die Logistik - im Vergleich zum Massenmarkt - im Verhältnis wesentlich höher.

4. Manchmal kosten Öko- als auch konventionelle Produkte einfach mehr
Ein Zeichen von Qualität vs. Quantität! Da Öko-Mode, mit Liebe zum Detail und handwerklichen Techniken, unter die technische Definition der „Couture“ fällt, ist es fair über den Preis den Aufwand zu rechtfertigen.

Mit dem 4. Punkt kann ich mich nur bedingt anfreunden, da hessnatur seit jeher für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis steht und keine unberechtigten Kosten an seine Kunden weitergibt. Doch den Rest des Beitrag kann ich absolut teilen. Ich finde, man kann es nicht oft genug sagen sowie die Menschen dafür sensibilisieren, da es nun mal Fakt ist, dass sozial gerechte und natürliche Kleidung nicht für einen Dumping-Preis zu erwerben ist.

Bangladesch: Tod einer Näherin

Donnerstag, 14. Mai 2009

Diese Meldung geht (hier, hier oder hier) durch die Medien: Eine 18jährige Näherin in Bangladesch bricht wegen verwehrter Krankschreibung und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen an der Nähmaschine tot zusammen. Die Fabrik fertigt zu einem großen Teil für einen deutschen Handelskonzern.

Es wurde  jenseits der Menschenrechte und der gesetzlichen Regelungen in Bangladesch gearbeitet: So wurde die gesetzliche Arbeitszeit um 425 %  (!) überschritten, der Stundenlohn lag bei 8 Cent.

Dennoch: Die Mehrheit greift hier in unseren so genannten zivilisierten Ländern zu diesen Artikeln und kauft. Die Masse bestätigt die brutalen Arbeits- und Vertragsbedingungen der „Global Player“.

Wir bei hessnatur versuchen, bei unseren Zulieferern diese Verhältnisse nicht Realität werden zu lassen. Die Kampagne für saubere Kleidung (ccc) gehört der niederländischen  Fair Wear Foundation an. Sie kämpfen mit großem Enthusiasmus gegen die Ungerechtigkeit in den Nähereien bei der Konfektion von Textilien. Was nützt der Einsatz bester Bio-Baumwolle, wenn die Verarbeitung hintendran nicht „sauber“ bleibt?

Dank vieler nachhaltig denkender Menschen und Unternehmen, die zeigen, dass Wirtschaften auch anders funktioniert, bleibt die Hoffung, dass diese Bedingungen irgendwann ein Ende haben. Dank der Fair Wear Foundation und dank anderer weltweit aktiver NGO´s kann gegen dieses Menschenunrecht vorgegangen werden. Wir versuchen soweit es geht mit gutem Beispiel voran zu gehen.

Ich denke, wir müssen hier auf dieser Seite der Welt wieder lernen, zu unterscheiden, was wir wirklich brauchen. Vielleicht eine neue Bescheidenheit? Hiermit meine ich nicht den Verzicht auf Konsum, sondern eher ein neues Bewusst-sein.

Besuch aus der nördlichen Mongolei

Montag, 20. April 2009

Auf diesen Termin heute habe ich mich besonders gefreut, denn das hat man ja nicht alle Tage: Kontakt mit den Menschen, die für uns die sagenhafte Yakwolle zu tollen Pullovern verarbeiten. Und das ganz exklusiv!

Das junge Pärchen kommt ganz unprätentiös und bescheiden bei uns an. Mit Michael Krause an meiner Seite wird schnell ein spannendes Frage- und Antwortspiel daraus.

Wie kommt man denn dazu, die bei uns bis dato völlig unbekannte Yakwolle nach Deutschland zu bringen? Diese Frage löst sich schnell, denn meine Gesprächspartnerin ist Mongolin mütterlicherseits. Mit einigem unternehmerischem Gespür und wohl auch der nötigen Risikobereitschaft, aber auch einer entspannten Ruhe scheint die Mischung zu stimmen: 2006 fingen die beiden dort mit eigener Produktion an. Eine Erfolgsgeschichte, die heutzutage ihresgleichen suchen kann. Angefangen haben sie mit 3 Mitarbeitern, heute, 3 Jahre später, sind schon 27 Mitarbeiter beschäftigt. Mit dabei auch ein Bruder und der Onkel, der sich inzwischen auf die Auswahl und den Einkauf besonders guter Yak-Qualitäten spezialisiert hat. Er muss ja die Lieferanten besuchen. Und diese wandern mit ihren Jurten über die Weiden hauptsächlich rund um den Khuvsgul-See im Norden und das Arkhangai-Aimag in der Landesmitte. Die Yaks wollen in die Höhe, sie halten bis zu minus 40°C im Winter aus. Im Sommer wird es dort tagsüber auch mal 30°C warm – eine ordentliche Spanne!

Ja, das haben wir doch schnell verstanden: In der Mongolei schlagen die Uhren noch anders. Da ist Geld nicht alles, was einen Menschen an einen Arbeitsplatz bindet. Die Würde und das Gefühl müssen stimmen. Unsere beiden Besucher haben deutsche Arbeitsbedingungen mit mongolischen verknüpft und so eine große Zufriedenheit für ihre Mitarbeiter in der Strickerei erzielt. Da gehören geregelte Arbeitszeiten genauso dazu wie Renten- und Krankenversicherung (was wohl dort noch nicht üblich ist), Urlaubsgeld und zwei kostenlose Mahlzeiten am Tag. Sie wollen, dass die Menschen „mit ihrem Herzen arbeiten“. Eine Formulierung, die wir hier bei hessnatur natürlich gerne hören!

Die Mongolei ist bekannt für hochwertige Kaschmirverarbeitung. Die Verarbeitung von Yak auf den dort verwendeten Handstrickmaschinen benötigt aber ein anderes Vorgehen. Ohne Ehrgeiz und Tüftelei geht es kaum, das Yakhaar ist kürzer und verhält sich beim Spinnen und Stricken einfach anders. Mittlerweile sind die einstigen Kaschmirstricker/-innen und –Verabeiter/-innen wahre Yak-Profis geworden.

Auch die Lagerung der Wolle wird durch deutsches „Know-How“ verbessert: Dort wird noch gewohnheitsmäßig mit Mottenkugeln gegen Motten gekämpft (einen Kommentar dazu verkneife ich mir, aber ich denke, jeder hat jetzt den typischen Geruch in der Nase). Unsere Yak-Lieferanten nehmen bei ihren Flügen in die Mongolei Lavendel mit. In geschlossenen Räumen mit Lavendel beduftet – das reicht, versichern uns die beiden. Auch über den Transport nach Deutschland hat man sich deshalb für die schnelle Luftfracht entschieden – damit keine Pestizide für lange Transporte per Schiff notwendig werden. Alles in unserem Sinne – es könnte doch immer so einfach sein…

Übrigens: Wer mehr über das Leben in der Mongolei und die nomadisierenden Viehhirten erfahren will, dem sei das Buch „Der Zorn der Wölfe“ empfohlen. Diesen Tipp bekamen wir sozusagen gratis - on-top - von unseren Besuchern.